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Thomas Bernhard: Gehen
Im Grunde ist alles, was gesagt wird, zitiert.
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Karrers Aussprache war die deutlichste, Karrers Denken das
korrekteste, Karrers Charakter der einwandfreieste, sagt Oehler.
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Zweifellos, sagt Oehler, ist Karrer auf dem Höhepunkt
seins Denkens verrückt geworden.
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Wir dürfen das, was wir tun, nicht zum Gegenstand
unseres Denkens machen, denn dann kommen wir in
tödlichen Zweifel zuerst, schließlich in
tödliche Verzweiflung.
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Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst, sagt Oehler,
das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen.
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Der Selbstmord des Chemikers Hollensteiner habe sich in
katastrophaler Weise auf Karrer ausgewirkt, sagt Oehler, [...]
in der verheerendsten Weise, den ungeschützten
Geisteszustand Karrers auf das Tödlichste chaotisierend.
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Hollensteiner, dessen Name in der heute so wichtigen Fachwelt
der Chemie einen großen Namen gehabt hat schon zu einer Zeit,
in welcher hier in seinem eigenen Land noch kein Mensch seinen
Namen gekannt hat, auch heute kennt kein Mensch den Namen
Hollensteiner, wenn Sie fragen, sagt Oehler, wir nennen einen
ganz und gar außerordentlichen Menschennamen, sagt Oehler,
und machen die Erfahrung, daß niemand und vor allem nicht einmal
die, die diesen Namen kennen müßten, diesen Namen
kennen[...].
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Diese Beobachtung machen wir ja immer wieder, sagt Oehler,
daß wir mit Leuten zusammen sind, die kompetent sein sollen und
die auch behaupten und beanspruchen, und zwar fortwährend
beanspruchen, in der Sache, in welcher wir mit ihnen zusammengekommen
sind, kompetent zu sein, während sie in unverantwortlicher und
erschütternder und geradezu abstoßender Weise inkompetent sind.
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Gerade in Gegenwart dieses Menschen bin ich wieder darauf gekommen,
sagt Oehler, daß Menschen wie Scherrer niemals verrückt
werden können. Wie wir wissen, werden die psychiatrischen Ärzte
mit der Zeit nervenkrank, aber nicht verrückt. Aus Unwissenheit über
ihr Lebensthema werden diese Leute schließlich und endlich nervenkrank,
aber niemals verrückt. [...] Und im Augenblick erkannte ich wieder, in wie
hohem Maße Verrücktheit etwas in unglaublichster Höhe
sich vollziehendes ist.
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Immer wieder sei er in die Innere Stadt, sagt Oehler, und an den
Innenhaustüren stehengeblieben und habe an diesen Innenhaustüren
einen bestimmte, ihm aus der Kindheit und Jugend vertrauten, geliebten oder
gefürchteten, aber vertrauten Namen, gesucht, aber keinen einzigen
dieser Namen gefunden.
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Denn tatsächlich ist es nicht möglich, längere Zeit zu
gehen und zu denken in gleicher Intensität, einmal gehen wir intensiver,
aber denken nicht so intensiv, wie wir gehen, dann denken wir intensiv und gehen
nicht so intensiv wie wir denken, einmal denken wir mit einer viel höheren
Geistesgegenwart, als wie wir gehen und einmal gehen wir mit einer viel
höheren Geistesgegenwart [...].
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Aber wenn wir solche Gedanken haben, sagt er, sehen wir bald, daß wir
in diesen Gedanken verloren sind. In jedem Gedenken sind wir veloren, wenn wir
uns diesem Gedanken ausliefern, liefern wir uns nur einem einzigen Gedanken
wirklich aus, sind wir verloren.
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