Literaturbrevier

Georg Büchner: Leonce und Lena

LEONCE. Ich wette gewöhnlich mit mir selbst und kann es tagelang so treiben. Wenn Sie einne Menschen aufzutreiben wissen, der Lust hätte, manchmal mit mir zu wetten, so werden Sie mich sehr verbinden. Dann — habe ich nachzudenken, wie es wohl angehen mag, dass ich mir einmal auf den Kopf sehe. — O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eines von meinen Idealen. Und dann — und dann — noch unendlich viel der Art.

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VALERIO. Ach Herr, was ich ein Gefühl für die Natur habe! Das Gras steht so schön, dass man ein Ochs sein möchte, um es fressen zu können, und dann wieder ein Mensch, um den Ochsen zu essen, der solches Gras gefressen.

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VALERIO. Es ist ein Jammer. Man kann keinen Kirchturm herunterspringen, ohne den Hals zu brechen. Man kann keine vier Pfund Kirschen mit den Steinen essen, ohne Leibweh zu kriegen. Seht, Herr, ich könnte mich in eine Ecke sitzen und singen vom Abend bis zum Morgen: »Hei, da sitzt e Fleig' an der Wand! Fleig' an der Wand! Fleig' an der Wand!« und so fort bis zum Ende meines Lebens.

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LEONCE. Tanze, Rosetta, tanze, dass die Zeit mit dem Takt deiner niedlichen Füße geht.

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LEONCE. Adio, adio meine Liebe, ich will deine Leiche lieben.

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LEONCE. Komm Leonce, halte mir einen Monolog, ich will zuhören.

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VALERIO. So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden.

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LENA.
     Auf dem Kirchhof will ich liegen
     Wie ein Kindlein in der Wiegen, —

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LEONCE. O diese Stimme: „I s t   d e n n   d e r   W e g   s o   l a n g ?“ Es reden viele Stimmen über die Erde und man meint sie sprächen von andern Dingen, aber ich hab sie[die Stimme Lenas] verstanden.

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