Literaturbrevier

Das Buch Daniel

  Die Füße und Zehen waren, wie du gesehen hast, teils aus Töpferton, teils aus Eisen; das bedeutet: Das Reich wird geteilt sein; es wird aber etwas von der Härte des Eisens haben, darum hast du das Eisen mit Ton vermischt gesehen.
  Dass aber die Zehen teils aus Eisen, teils aus Ton waren, bedeutet: Zum Teil wird das Reich hart sein, zum Teil brüchig.
  Wenn du das Eisen mit Ton vermischt gesehen hast, so heißt das: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander verbinden; doch das eine wird nicht am anderen haften, wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet.
(2,41-43)

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  Da stand ein Baum mitten auf der Erde; es war sehr hoch.
  Der Baum wuchs zusehends und wurde immer mächtiger; seine Höhe reichte bis an den Himmel; er war bis ans Ende der ganzen Erde zu sehen.
  Er hatte prächtiges Laub und trug so viele Früchte, dass er Nahrung für alle bot. Unter ihm fanden die wilden Tiere des Feldes Schatten; die Vögel nisteten in seinen Zweigen; alle Lebewesen ernährten sich von ihm.
  Während ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah, stieg ein Wächte, ein Heiliger, vom Himmel herab.
  Er befahl mit mächtiger Stimme: Fällt den Baum und schlag seine Äste ab! Streift sein Laubwerk ab und zerstreut seine Früchte! Die Tiere sollen aus seinem Schatten fliehen und die Vögel aus seinen Zweigen.
(4,7b-11 [Nebukadnezzars Traum vom stolzen Baum])

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  Sein Herz soll nicht mehr ein Menschenherz; ein Tierherz soll ihm gegeben werden und sieben Zeiten sollen über ihn hingehen.
[...]
  Noch in derselben Stunde erfüllte sich dieser Spruch an Nebukadnezzar: Man verstieß ihn aus der Gemeinschaft der Menschen und er musste sich von Gras ernähren wie die Ochsen. Der Tau des Himmels benetzte seinen Körper, bis seine Haare so lang wie Adlerfedern waren und seine Nägel wie Vogelkrallen.
(4,13; 4,30)

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  Man wird dich aus der Gemeinschaft der Menschen verstoßen und du musst bei den wilden Tieren des Feldes leben. Du wirst dich von Gras ernähren wie die Ochsen und der Tau des Himmels wird dich benetzen. So gehen sieben Zeiten über dich hin, ...
(4,22a)

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  Es gibt niemand, der seiner[der Höchsten] Hand wehren, und zu ihm sagen dürfte: Was tust du da?
(4,32b)

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  Früh am Morgen, als es gerade hell wurde, stand der König[Darius] auf und ging in Eile zur Löwengrube.
  Als er sich der Grube näherte, rief er mit schmerzlicher Stimme nach Daniel und fragte: Daniel, du Diener des lebendigen Gottes! Hat dein Gott, dem du so unablässig dienst, dich vor den Löwen erretten können?
  Daniel antwortete ihm: O Könige, mögest du ewig leben.
  Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen. Sie taten mir nichts zuleide; denn in seinen Augen war ich schuldlos und auch dir gegenüber, König, bin ich ohne Schuld.
  Darüber war der König hoch erfreut und befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. So wurde Daniel aus der Grube herausgeholt; man fand an ihm nicht die geringste Verletzung, denn er hatte seinem Gott vertraut.
  Nun aber ließ der König die Männer herbeiholen, die Daniel verklagt hatten, und ließ sie mit ihren Kindern und Frauen in die Löwengrube werfen. Sie waren noch nicht am Boden der Grube angelangt, da stürzten sich die Löwen auf sie und zermalmten ihnen alle Knochen.
(6,20-25)

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  Da kam mit den Wolken des Himmels / einer wie ein Menschensohn.
Er gelangte bis zu dem Hochbetagten / und wurde vor ihn geführt.
  Ihm wurden Herrschaft, / Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen / müssen ihm dienen.
Seine Herrschaft ist eine ewige, / unvergängliche Herrschaft. / Sein Reich geht niemals unter.
(7,13b-14)

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  Der (Engel) antwortete mir: Das vierte Tier bedeutet: Ein viertes Reich wird sich auf der Erbe erheben, ganz anders als alle anderen Reiche. Eswird die ganze Erde verschlingen, sie zertreten und zermalmen.
  Die zehn Hörner bedeuten: In jenem Reich werden zehn Könige regieren; doch nach ihnen kommt ein anderer. Dieser ist ganz anders als die früheren. Er stürzt drei Könige,
  er lästert über den Höchsten und unterdrückt die Heiligen des Höchsten. Die Festzeiten und das Gesetz will er ändern. Ihm werden die Heiligen für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit ausgeliefert.
  Dann aber wird Gericht gehalten. Jenem König wird seine Macht genommen; er wird endgültig ausgetilgt und vernichtet.
  Die Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit aller Reiche unter dem ganzen Himmel werden dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben. Sein Reich ist ein ewiges Reich und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.
(7,23-27)

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  Da hörte ich einen Heiligen (einen Engel) reden und ein anderer Heiliger fragte den Redenden: Wie lange gilt die Vision vom täglichen Opfer, wie lange bleibt der Gräuel der Verwüstung bestehen und werden das Heiligtum und der Ort der Zierde[Jerusalem] zertreten?
  Er sagte zu mir: Zweitausenddreihundert Abende und Morgen wird es dauern, dann erhält das Heiligtum wieder sein Recht.
(8,13-14)

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  Während ich, Daniel, noch diese Vision hatte und sie zu verstehen suchte, da stand vor mir einer, der aussah wie ein Mann.
  Und über dem Ulai-Kanal hörte ich eine Menschenstimme, die rief: Gabriel, erkläre ihm die Vision!
  Da kam er auf mich zu. Als er näher trat, erschrak ich und fiel mit dem Gesicht zu Boden. Er sagte zu mir: Mensch, versteh: Die Vision betrifft die Zeit des Endes.
(8,15-17)

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  Ja, Herr, uns steht Schamröte im Gesicht, [...] denn wir haben uns gegen dich gesündigt.
(9,8a; 9,8c)

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  Jetzt aber, Herr, unser Gott, der du dein Volk mit starker Hand aus Ägypten geführt und dir damit einen Namen gemacht hast bis auf den heutigen Tag! Wir haben gesündigt; wir haben gefrevelt.
(9,15)

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  In jener Zeit tritt Machel auf, der große Engelsfürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.
  Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
  Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten.
  Du, Daniel, halte diese Worte geheim und versiegle das Buch bis zur Zeit des Endes! Viele werden nachforschen und die Erkenntnis wird groß sein.
(12,1-4)

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  Ich hörte es, verstand es aber nicht. Darum fragte ich: Mein Herr, was wird das letzte von all dem sein?
  Er ewiderte: Geh, Daniel! Diese Worte bleiben verschlossen und veersiegelt bis zur Zeit des Endes.
[...]
  Von den Sündern wird es keiner verstehen; aber die Verständigen verstehen es.
(12,8-9; 12,10b)

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  In Babylon wohnte ein Mann mit Namen Jojakim.
  Er hatte Susanna, die Tochtoer Hilkijas, zur Frau;sie war ser schön und gottesfürchtig.
  Auch ihre Eltern waren gerecht und hatten ihre Tochter nach dem Gesetz des Mose erzogen.
  Jojakim war sehr reich; er besaß einen Garten habe bei seinem Haus. Die Juden pflegten bei ihm zusammenzukommen, weil er der Angesehenste von allen war.
(13,1-4)

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  Die beiden Ältesten sahen sie[Susanna] täglich kommen und umhergehen; da regte sich in ihnen die Begierde nach ihr.
  Ihre Gedanken gerieten auf Abgwege und ihre Augen gingen in die Irre.
(13,8-9a)

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  Susanna war anmutig und sehr schön.
  Sie war aber verschleiert. Um sich an ihrer Schönheit zu weiden, befahlen die Gewissenlosen, sie zu entschleiern.
  Da weinten ihre Angehörigen und alle, die sie sahen, begannen ebenfalls zu weinen.
  Vor dem ganzen Volk standen nun die beiden Ältesten auf und legte ndie Hände auf dem Kopf Susannas.
  Sie aber blickte weinend zum Himmel auf; denn ihr Herz vertraute dem Herrn.
(13,31-35)

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  Daniel sagte zu ihnen: Trennt diese beiden Männer[die Ältesten], bringt sie weit auseinander! Ich will sie verhören.
  Als man sie voneinander getrennt hatte, rief er den einen von ihnen her und sagte zu ihm: In Schlechtigkeit bist du alt geworden; doch jetzt kommt die Strafe für die Sünden, die du bisher begangen hast.
(13,51-52)

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  Wenn du also diese Frau[Susanna] wirklich gesehen hast, dann sag uns: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden zusammen gesehen hast? Er antwortete: Unter einer Zeder.
  Da sagte Daniel: Mit deiner Lüge hast du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wird dich zerspalten; schon hat er von Gott den Befehl dazu erhalten.
(13,54-55)
[...]
[Verhör beim anderen: Nun sag mir: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden ertappt hast? Er antwortete: Unter einer Eiche. {13,58}]

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  Der König Astyages ging zu seinen Vätern heim und sein Reich übernahm der Perser Kyrus.
(14,1)

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  Am siebten Tag kam der König, umd Daniel zu betrauern. Er trat an die Grube und schaute hinein. Da sah er Daniel sitzen
  und er rief laut: Groß bist du, Herr, du Gott Daniels. Außer dir gibt es keinen anderen Gott.
  Dann ließ er Daniel herausziehen und statt seiner die Männer in die Grube werfen, die ihn hatten vernichten wollen. Und vor seinen Augen wurden sie sofort aufgefressen.
(14,40-42)

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