Literaturbrevier

Theodor Fontane: Effi Briest

Es gibt so viel schlechte Menschen, und das andere findet sich dann auch, das gehört dann sozusagen mit dazu.

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Und wenn ich hundert Jahr alt würde, so werde ich Sie nicht vergessen.

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Glaubst du, [...] dass ich die Wahrheit sofort klipp und klar in den Händen halte, wenn mir Effi ihr Herz ausgeschüttet hat? Oder was man wenigstens so nennt. Denn was heißt;t ausschütten? Das Eigentliche bleibt doch zurück.

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Du glaubst immer, sie könne kein Wasser trüben. Aber darin irrst du. Sie lässt sich gern treiben, und wenn die Welle gut ist, dann ist sie auch selber gut. Kampf und Widerstand sind nicht ihre Sache.

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Einmal gingen sie auch wieder so. Von fern her hörte man den Kuckuck, und Effi zählte, wie viele Male er rief. Sie hatte sich an Niemeyers Arm gehängt und sagte: »Ja, da ruft der Kuckuck. Ich mag ihn nicht befragen. Sagen Sie, Freund, was halten Sie vom Leben?«
»Ach, liebe Effi, mit solchen Doktorfragen darfst du mir nicht kommen. Da musst du dich an einen Philosophen wenden oder ein Ausschreiben an eine Fakultät machen. Was ich vom Leben halte? Viel und wenig. Mitunter ist es recht viel und mitunter ist es recht wenig.«
»Das ist recht, Freund, das gefällt mir; mehr brauch ich nicht zu wissen.«
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[...] er hate sehr gute Bücher, und in einem hieß es: es sei wer von einer fröhlichen Tafel abgerufen worden, und am anderen Tage habe der Abgerufene gefragt, wie's denn nachher gewesen sei. Da habe man ihm geantwortet: »Ach, es war noch allerlei; aber eigentlich haben Sie nichts versäumt.« Sieh, Mama, diese Worte haben sich mir eingeprägt — es hat nicht viel zu bedeuten, wenn man von der Tafel etwas früher abgerufen wird.
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Ach, Luise, laß ... das ist ein zu weites Feld.
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