Literaturbrevier

Johann Wolfgang Goethe: Götz von Berlichingen

MARIA. Auf seinen eigenen Gütern findet man zum Wohltun Gelegenheit genug.

__

OLEARIUS. (Hexameter): Post coenam stabis seu passus mille meabis.
(Nach dem Essen sollst du stehn oder tausend Schritte gehn.)

__

WEISLINGEN. Ihr seid zu streng Maria! Unschuldige Liebe erfreut die Gottheit, statt sie zu beleidigen.

__

WEISLINGEN. Hier fass ich Eure Hand. Lasst von diesem Augenblick an Freundschaft und Vertrauen gleich einem ewigen Gesetz der Natur unveränderlich unter uns sein.

__

WEISLINGEN. Wer ist's denn?
FRANZ. Adelheid von Walldorf.
WEISLINGEN. Die! Ich hab viel von ihrer Schönheit gehört.
FRANZ. Gehört? Das ist eben als wenn Ihr sagtet, ich hab die Musik gesehen.

__

ADELHEID. Ihr werdet nie gescheit werden!
LIEBETRAUT. Wird man das, gnädige Frau?

__

FRÄULEIN. Kinder und Narren — [sagen die Wahrheit]

__

FRÄULEIN. Ihr habt sein Herz geangelt, und wenn er sich losreißen will, verblutet er.

__

ADELHEID. Denn würklich Ihr übertraft Euren Ruf. Die Menge schätzt nur den WIderschein des Verdienstes.

__

SICKINGEN. Ihr werdet gegen der Menge wenig sein.
GÖTZ. Ein Wolf ist einer ganzen Herde Schafe zu viel.

__

GÖTZ. Weine meine gute Marie, es werden Augenblicke kommen wo du dich freuen wirst.

__

(Trompeter von außen.)
GÖTZ. Aha! Ein rotröckiger Schurke, der uns die Frage vorlegen wird, ob wir Hundsfütter sein wollen. (Er geht ans Fenster.)
Was soll's? (Man hört in der Ferne reden.)
GÖTZ. (In seinen Bart.) Einen Strick um deinen Hals.
(Trompeter redet fort.)
GÖTZ. Beleidiger der Majestät! Die Aufforderung hat ein Pfaff gemacht.
(Trompeter endet.)
GÖTZ. (antwortet.) Mich ergeben! Auf Gnad und Ungnad! Mit wem redet Ihr! Bin ich ein Räuber! Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken! (Schmeißt das Fenster zu.)

__

ADELHEID. Lieber warmer Junge! (Faßt ihn bei den Händen, zieht ihn zu sich, und ihre Küsse begegnen einander; er fällt ihr weinend um den Hals.)
ADELHEID Laß mich!
FRANZ. (erstickend in Tränen an ihrem Hals.) Gott! Gott!
ADELHEID. Laß mich, die Mauern sind Verräter. Laß mich. (Macht sich los.)

__

GÖTZ. Indem ich schreibe, was ich getan habe, ärgere ich mich über den Verlust der Zeit in der ich etwas tun könnte.

__

ELISABETH. Er hat seinen Bann gebrochen! [...]
LERSE. Nein, er ward gezwungen, wo ist der Grund ihn zu verdammen?
ELISABETH. Die Bosheit sucht keine Gründe, nur Ursachen.

__

GÖTZ. Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf.

__