Literaturbrevier

Euaristos: Martyrium des heiligen Polykarpos

Man zerpeitschte sie (die Märtyrer) derartig, daß man durch Venen und Arterien hindurch den innern Bau des Leibes sehen konnte. Aber sie hielten tapfer stand. Selbst den Zuschauern kamen mitleidige Tränen. Die Blutzeugen dagegen erschwangen sich zu solch heroischem Leidensmut, daß keiner von ihnen auch nur einen einizgen Schmerzenslaut von sich gab. Darin sahen wir alle den Beweis dafür, daß in der Stunde der Folterung die seligen Blutzeugen Christi außerhalb ihres Fleisches sind, ja noch mehr: daß in dieser Stunder der Herr neben ihnen steht und mit ihnen heimliche Zwiesprache hält.

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Er war so überströmend voll von göttlicher Gnade, daß er fast zwei Stunden lang seinem Beten nicht Einhalt zu bieten vermochte. Die Häscher, welche zuhörten, waren peinlich berührt, ja manche bereuten es geradezu, daß sie gegen einen so gotterfüllten Greis zu den Waffen gegriffen hatten.

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