Literaturbrevier

Das Evangelium nach Johannes

  Im Anfang war das Wort, / und das Wort war bei Gott, / und das Wort war Gott.
  Im Anfang war es bei Gott.
  Alles ist durch das Wort geworden / und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
  In ihm war das Leben / und das Leben war das Licht der Menschen.
  Und das Licht leuchtet in der Finsternis / und die Finsternis hat es nicht erfasst.
  Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes.
  Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
  Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
  Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, / kam in die Welt.
  Er war in der Welt / und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
  Er kam in sein Eigentum, / aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
  Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben,
  die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind.
  Und das Wort ist Fleisch geworden / und hat unter uns gewohnt / und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, / die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, / voll Gnade und Wahrheit.
(1,1-14)

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  Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.
(1,26b)

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  Philippus traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs.
  Da sagte Natanaël zu ihm: Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen? Philippus antwortete: Komm und sieh!
(1,45-46)

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[Worte der Juden zum Sehenden, der blind gewesen war]:
  Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.
(9,34)

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  Der Sklave ist nicht größer als der Herr.
(15,20b)

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  Und wenn er kommt, wird er die Welt überführen (und aufdecken), was Sünde, Gerechtigkeit und Gericht ist;
  Sünde: dass sie nicht an mich glauben;
  Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht;
  Gericht: dass der Herrscher dieser Welt gerichtet ist.
(16,8-11)

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  Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre.
  Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen.
  Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe.
  Auf diese Antwort hin schlug einer von den Knechten, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Redest du so mit dem Hohenpriester?
(18,19-22)

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  Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, da ist der Mensch!
  Als die Hohenpriester und ihre Diener ihn sahen, schrien sie: Ans Kreuz mit ihm, ans Kreuz mit ihm! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.
(19,5-6)

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  Sie übernahmen Jesus.
  Er trug sein Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelhöhe, die auf Hebräisch Golgota heißt.
  Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte Jesus.
  Pilatus ließ auch ein Schild anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden.
  Dieses Schild lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst.
  Die Hohenpriester der Juden sagten zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.
  Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.
(19,16b-22)

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  Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
  Dann sagte er zum Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
(19,26-27)

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(Nachtrag zum Evangelum: Das nachträglich hinzugefügte Kapitel[Joh 21] stammt aus dem Schülerkreis des Evangelisten)

  Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!
  Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
  Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!
  Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.
  Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten wsagte er zu ihm: Folge mir nach!
    Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, (diesem) folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?
  Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?
  Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!
  Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht dich das an?
(21,15-23)

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Schlussbemerkung der Herausgeber des Evangeliums
  Dieser Jünger ist es, der all das vezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.
  Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.
(21,24-25)

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