Literaturbrevier

Friedrich Gottlieb Klopstock: Briefe

Wenn nur das Abschreiben nicht wäre, so schickte ich Ihnen meine Fragmente vom Messias. Aber kein Mensch, selbst meine Frau nicht, selbst ich bisweilen nicht, kann meine Hand lesen. Denn ich mache bisweilen, wenn ich recht in der Arbeit bin, ganz und gar nur Züge statt der Buchstaben.
(Klopstock an Johann Arnold Ebert, 29. März 1758)

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Süßes, süßes Mädchen (ich würde noch etwas hinzusetzen, wenn Sie meine Art mich auszudrücken, die ich nur gegen Meta hatte, schon kennten). Doch soll ich immer einen solchen Ausdruck wagen — — nun, Mädchen, soll ich? — — — süßes, dummes Ding, als wenn ich zu der Zeit, da ich gern allein bin, auch ohne Sie sein möchte? (Ohne Sie, ach, wenn nämlich, wenn —) Was das für ein Gemisch von Traurigkeit und Freude bei mir ist. — Doch ich muß mich davon losreißen. Künftige Post einen langen Brief. Aber an mein Herz muß ich Sie doch drücken, eh ich siegle.
Was meinen Sie, wenn Sie künftig ein wenig leserlicher schrieben als ich?
(Klopstock an Caecilie Ambrosius, 20. Oktober 1767)

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Aber ich will auch einige Blumen aus Ihrem illyrischen Kranze in meine Sammlung haben. Nehmen Sie das Beste unter den Allerältesten, lassen Sie den illyrischen Text mit lateinischen Buchstaben auf die eine Seite, und eine völlig wörtliche Übersetzung auf die andere schreiben. Lassen Sie den Übersetzer ja genau verfahren und unter andern nichts verschönern wollen. Denn er muß sich vor mir in acht nehmen. Eh man sich's versieht, verstehe ich auch Illyrisch.
(Klopstock an Johannes Michael Cosmas Denis, 22. Juli 1768)

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