Literaturbrevier

Johann Anton Leisewitz: Julius von Tarent

G u i d o (höhnisch). Die Wahrheit nicht hören wollen — hat der Weichling deswegen den Plato gelesen? Ich lobe mir meinen schlichten Menschenverstand. Handeln, Aspermonte, macht den Mann, und wenn es auf den Punkt kommt, so ist Ihre Philosophie tot.

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J u l i u s. Was ist denn beschworne Treue — ein verschloßner Schatz, zu dem jeder [...] den Schlüssel hat.

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C ä c i l i a. O, ich hasse mein Geschlecht, ob ich gleich kein Mann sein möchte.
J u l i u s. Ich weiß nicht, was ich weiter denken soll, Sie haben mich in ein Labyrinth geführet.
C ä c i l i a (indem sie aufsteht). Gut, so will ich Sie herausführen. Ihr Vater hat uns für einander bestimmt. (Geht schleunig ab.)

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J u l i u s. Dummkopf, sie sagte mir ja in diesem Gespräch die Ursach' meiner Kälte selbst. Sie ist kein Weib, darum liebe ich sie nicht; kein Mann, darum ist sie mein Freund nicht.

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B l a n c a. Ewigkeit ist ja die Dauer der Liebe. [Schade, daß auch die Ewigkeit vergeht.]

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F ü r s t. Noch einmal umarme mich, mein Sohn. (Umarmt ihn mit dem einen Arm und durchsticht ihn mit der andren Hand.) Mein Sohn! Mein Sohn!

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