Literaturbrevier

Jakob Michael Reinhold Lenz: Die Soldaten

[Lenz] nennt sich den »stinkenden Atem des Volkes«. (Nachwort Reclam UB 5899)

STOLZIUS (verlegen). Zu Ihren Diensten, mein Herr — aber ich bitte gehorsamst um Verzeihung, ich weiß noch von keiner Braut, ich habe keine.
RAMMLER. Die Jungfer Wesener aus Lille, ist ist nicht Ihre Braut? Der Desportes hat es mir doch geschrieben, dass Sie verlobt wären.
STOLZIUS. Der Herr Desportes müsste es denn besser wissen, als ich.
HAUDY (rauchend). Der Rammler schwatzt immer in die Welt hinein, ohne zu wissen, was er red't und was er will.

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RAMMLER. Ihr kennt meine Finten noch nicht.
HAUDY. Ja du steckst voll Finten, wie ein alter Pelz voll Läuse.

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EISENHARDT. Weh mir, wie bring ich den [philosophierenden] Menschen aus seiner Metaphysik zurück —!

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GRÄFIN. Ihre Gestalt, dachten Sie, könnte Sie schon weiter führen, als Ihre Gespielinnen; ach liebe Freundin, eben das hätte Sie sollen vorsichtiger machen. Schönheit ist niemals ein Mittel, eine gute Heurat zu stiften, und niemand hat mehr Ursache zu zittern, als ein schön Gesicht. Tausend Gefahren mit Blumen überstreut, tausend Anbeter und keinen Freund, tausend unbarmherzige Verräter.

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GRÄFIN. Was behält das Leben für Reiz übrig, wenn unsre Imagination nicht welchen hineinträgt, Essen, Trinken, Beschäftigungen ohne Aussicht, ohne sich selbst gebildetem Vergnügen sind nur ein gefristeter Tod.

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HAUDYS. Er hat sein Logis im zweiten Stock genommen, grad gegenüber Ihrer Frau Base Schlafkammer.
MADEMOISELLE BISCHOF. Das hab ich gehört. Ich wünsche meiner Base viel Glück.

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