Literaturbrevier

Das Evangelium nach Matthäus

  Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.
(3,10)

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  Kaum war Jesus getauft uns aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
  Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.
(3,16f)

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  Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.
(5,17) [die Tora-Treue Jesu]

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  Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.
  Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein.
  Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,
  so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.
  Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.
(5,21-25a)

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Vom Schwören
  Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
  Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht [...]
  Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.
(5,33.34a.37)

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  Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner?
  Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?
(5,46f)

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  Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
  Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
  Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine recht tut.
(6,1-4)

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  Das Auge gibt dem Körper Licht. Wenn dein Auge gesund ist, dann wird dein ganzer Körper hell sein.
  Wenn aber dein Auge krank ist, dann wird dein ganzer Körper finster sein. Wenn nun das Licht in dir Finsternis ist, wie groß muss dann die Finsternis sein!
(6,22f)

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  Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht.
  Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen.
(6,28f)

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  Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!
(6,30)

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Vom Richten
  Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
(7,1)

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  Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
  Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge herausziehen! — und dabei steckt in deinem Auge ein Balken?
  Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.
(7,3-5)

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Von der Entweihung des Heiligen
  Gebt das Heilige nicht den Hunden und werft eure Perlen nicht den Schweinen vor, denn sie könnten sie mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.
(7,6) [Kommentar meiner Ausgabe: Der Ausdruck »das Heilige« bezeichnet hier die Lehre Jesu]

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Vom Vertrauen beim Beten
  Bittet, dann wird euch gegeben; [...]
  Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
  Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet,
  oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet?
  Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.
(7,7a.8-11)

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Von den zwei Wegen
  Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm.
  Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.
(7,13f)

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  Jeder gute Baum bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte.
  Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte hervorbringen und ein schlechter Baum keine guten.
(7,17f)

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  Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.
(7,21)

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  Dann werde ich ihnen [an jenem Jüngsten Tag] antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!
(7,23) [wie unerbittlich am Jüngsten Tag]

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  Da dachten einige Schriftgelehrte: Er lästert Gott.
  Jesus wusste, was sie dachten, und sagte: Warum habt ihr so böse Gedanken im Herzen?
(9,3f)

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  Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.
  Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.
  Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
(9,36-38)

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  Seht, ich sende euch wie Schaffe mitten unter die Wölfe.
(10,16)

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  Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
(10,26)

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  Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet am hellen Tag, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.
(10,27)

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  Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.
(10,30)

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  Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.
  Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
(10,32f)

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  Wenn ihr begriffen hättet, was das heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt.
(12,7)

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Der Gang Jesu auf dem Wasser
  Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.
  Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
  In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.
  Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst und sie schrien vor Angst.
  Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
  Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.
  Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.
  Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!
  Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
  Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
  Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.
(14,23-33)

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  Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
(15,11) [Auch zum Thema: Fasten]

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  Er antwortete ihnen: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden.
(15,13)

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  Er antwortete: Seid auch ihr noch immer ohne Einsicht?
  Begreift ihr nicht, dass alles, was durch den Mund (in den Menschen) hineinkommt, in den Magen gelangt und dann wieder ausgeschieden wird?
  Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.
  Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen.
  Das ist es, was den Menschen unrein macht; aber mit ungewaschenen Händen essen macht ihn nicht unrein.
(15,16-20)

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Wwarnung vor den Pharisäern und Sadduzäern
  Die Jünger fuhren an das andere Ufer. Sie hatten aber vergessen, Brot mitzunehmen.
  Und Jesus sagte zu ihnen: Gebt Acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!
  Sie aber machten sich Gedanken und sagten zueinander: Wir haben kein Brot mitgenommen.
  Als Jesus das merkte, sagte er: Ihr Kleingläubigen, was macht ihr euch darüber Gedanken, dass ihr kein Brot hab?
  Begreift ihr immer noch nicht? Erinnert ihr euch nicht an die fünf Brote für die Fünftausend und daran, wie viele Körbe voll ihr wieder eingesammelt habt?
  Auch nicht an die sieben Brote für die Viertausend, und wie viele Körbe voll ihr da eingesammelt habt?
  Warum begreift ihr denn nicht, dass ich nicht von Brot gesprochen habe, als ich zu euch sagte: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer?
  Da verstanden sie, dass er nicht gemeint hatte, sie sollten sich vor dem Sauerteig hüten, mit dem Brot backt, sondern vor der Lehre der Sadduzäer.
(16,5-12)

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  Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.
(17,5b)

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Der Rangstreit der Jünger
  In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte?
  Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte
  und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.
  Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte.
  Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.
(18,1-5)

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Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
  Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte?
  Und wenn er es findet — amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.
  So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht.
(18,12-14)

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Von der Pflicht zur Vergebung
  Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?
  Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.
(18,21-22)

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Von Ehescheidung und Ehelosigkeit
  Da kamen Pharisäer zu ihm, die ihm eine Falle stellen wollten, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?
  Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen am Anfang als Mann und Frau geschaffen hat
  und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden   e i n   Fleisch sein?
  Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
  Da sagten sie zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, dass man (der Frau) eine Scheidungsurkunde geben muss, wenn man sich trennen will?
  Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzi gseid, hat Mose euch erlaubt, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.
[Kommentar: „ Die Entlassung der Frau aus der Ehe war durch das Gesetz des Mose erlaubt (vgl. Dtn. 24,1); umstritten war lediglich, welche Gründe dies rechtfertigten: nach der strengeren Auffassung des Schriftgelehrten Schammai Ehebruch, ansteckende Krankheit, Geisteskrankheit, Kinderlosigkeit; nach der Auffassung des Schriftgelehrten Hillel, die zur Zeit Jesu vorherrschend war, alles, was dem Mann an seiner Frau missfiel.]
(19,3-8)

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  Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.
(19,11)

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  Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
  Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden?
  Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.
(19,24-26)

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  Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.
(19,30)

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  Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr [Hohepriester und Älteste].
(21,31b)

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  Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.
(22,14)

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  Sie fragten ihn: Meister, Mose hat gesagt: Wenn ein Mann stirbt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
  Bei uns lebten einmal sieben Brüder. Der erste heiratete und starb, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder,
  ebenso der zweite und der dritte und so weiter bis zum siebten.
  Als letzte von allen starb die Frau.
  Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehungsein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
  Jesus antwortete ihnen: Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.
  Denn nach der Auferstehung werden die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein wie die Engel im Himmel.
(22,24-30)

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  Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sichselbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(23,12)

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  Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung.
(23,27)

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  Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammel, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.
(23,37b)

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  Dann wird man euch in große Not bringen und euch töten und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst.
  Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten.
  Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen.
  Und weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhandnimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten.
  Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.
(24,9-13)

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  Überall wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier.
(24,28)

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  Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.
(26,41)

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