Literaturbrevier

Johann Nepomuk Nestroy: Einen Jux will er sich machen

Z a n g l e r. Meine Nichte ist heut' früh an den Ort ihrer Bestimmung abgereist.
S o n d e r s. Wie, Marie fort —?
Z a n g l e r. Ja, nach Dingsda — logiert in der ungenannten Gassen, Numero soundso viel, im beliebigen Stock, rechts bei der zug'sperrten Türe, da können S' anläuten, so oft S' wollen, hineinlassen wer'n s' Ihnen aber nicht.

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G e r t r u d. Was hab' ich denn getan?
Z a n g l e r. Gar nix hat Sie getan, g'red't hat Sie. Das is, was die Weiber immer tun und nie tun sollten. Zur Unzeit hat Sie g'red't.

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Z a n g l e r. Nichts als Odiosa, Geschäfte, Unwesen im Hauswesen, umgeben von albernen Wesen[...].

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C h r i s t o p h e r l. Dann glaubt er, die Alte is verruckt.
W e i n b e r l. Das verschlagt ihr nix, denn für g'scheit hat er s' nie g'halten.

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M a r i e. Fliehen, durchgehen und auf und davonlaufen is eins, und das schickt sich nicht!
S o n d e r s. Du hierbleiben, mir entrissen werden und ich mir eine Kugel vor den Kopf brennen, ist auch eins, und das schickt sich so gewiß, wenn du nicht Mut hast —
M a r i e. August, du bist ein fürchterlicher Mensch.

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W e i n b e r l. Wie oft hab' ich gelesen in die Bücher: „Er befand sich, ohne zu wissen wie, in einem engen, abgelegenen Gäßchen, plötzlich gewahrt er an der Ecke einen Mann in einem Mantel, ihm war's, als ob er ihm gewunken — an der andern Ecke sieht er auch einen Mann, ihm deucht', als hätt' er ihm gewinkt, unentschlossen steht er da, er weiß nicht, soll er dem folgen, der ihm gewinkt, oder dem, der ihm gewunken — da öffnen sich plötzlich die Fenster —“

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C h r i s t o p h e r l. Was sagen wir denn aber, wenn die Madame kommt?
W e i n b e r l. Was uns einfallt!
C h r i s t o p h e r l. Wenn uns aber nix G'scheits einfallt?
W e i n b e r l. So sagen wir was Dumms. Unsere Lag' erfordert mehr Hardiesse als G'scheitheit.
C h r i s t o p h e r l. Freilich, ein g'scheiter Mensch laßt sich auf so Sachen gar nicht ein —

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W e i n b e r l. Bitte sich zu bedienen! (Läßt[...] eine Gabel von der Schüssel und auf das Kleid der Frau von Fischer fallen.)
F r a u  v o n  F i s c h e r. Himmel! Mein neues Kleid!
W e i n b e r l. Pardon! Es wird nichts machen als einen fetten Fleck.

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M e l c h i o r. Den Wachter schicken S' über mich! Hier wimmelt's von Frevlern, ich bin vielleicht der einzige Unschuldige im ganzen Zimmer, und mich führen s' ein — ah, das is klassisch!
W a c h t e r. Nur nicht viel G'schichten g'macht!

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W e i n b e r l. Hab'n S' g'hört, Christoph? Wenn sich der Hahn nicht verkräht hat um a Stund', so geht's schon auf 'n Tag los.

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