Literaturbrevier

Barthold Georg Niebuhr: Lebensnachrichten

Ich wollte, daß eine glückliche Idee einmal in mir aufwachte, deren Ausbildung ein edles und schönes und Dauer verheißendes Geisteswerk würde!

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[von Hebbel über einem Brief Niebuhrs:]
Ein höchst merkwürdiger Brief über Religion, sein[Niebuhrs] Verhältnis zu ihr und Katholizismus und Protestantismus. Er hatte keinen Glauben und meint, der sei entweder nicht jedermann gegeben oder könne durch ein disharmonisches intellektuelles Leben in der Wurzel erstickt werden.

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[Über den Historiker Johannes von Müller:]
Seine Urteile und Gefühle waren von seiner frühsten Jugend an gemacht. Der reine Lebensatme der frischen Wahrheit fehlt in allen seinen Schriften. [...] Ihm fehlte alle Harmonie und mit dem Alter versiegte er immer mehr. Seine Talente bestimmten ihn zum Gelehrten im engsten Sinne des Worts, historische Kritik hatte er gar nicht, seine Phantasie war auf wenige Punkte beschränkt und die beispiellose Anhäufung von faktischen Notizen als ein zahlloses Einerlei war doch im Grunde tot in seinem Kopf. (1812)

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Die Zeiten der Pest sind immer da, wo das Tierische und Teuflische im Menschen hervortritt.

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Sie träumen, sie könnten eine Kirchen-Reformation machen, weil sie neuerungssüchtig sind und ahnen nicht, daß solche Werke nur gelingen können, wenn Herzen dabei sich erheben, wie in Luthers Zeit, während sie selbst nichts dabei empfinden und bei einem Regulativ äußerer Verhältnisse auch niemand etwas empfinden kann.

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Wie viel darf man nicht laut sagen, um nicht von den dummen Guten gesteinigt zu werden!

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