Literaturbrevier

Peter Rosegger: Die Schriften des Waldschulmeisters

»Wär' der Schulmeister im Wald wo gestorben, sagt der Wurzentoni, so hätt' man den Toten finden müssen, und hätt' ihn der Teufel geholt, so wär' das Gewand zurückgeblieben, denn das Gewand, sagt der Wurzentoni, ist unschuldig, über das hat der Teufel keine Gewalt, hat keine!«

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Nur der Einsame findet den Wald; wo ihn mehrere suchen, da flieht er, und nur die Bäume bleiben zurück.

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Wo kein Weg geht, dort geht der meine — wo es am steilsten ist, wo das Gestrüppe der Erlebnbüsche und Dornsträucher am dichtesten ist, wo die Hundsbeere wächst, wo die Natter raschelt im gelben Buchenlaub des vergangenen Jahres.

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Nun stehen wir beide[das Reh und ich] uns gegenüber und blicken uns an. Bedauere ich dich, oder bedauerst du mich?

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Die besten dieser Leute sind nicht so gut und die schlechtesten nicht so schlecht, als ich mir vorzeiten gedacht habe. Ein paar Ausnahmen aber — deucht mir schier — gibt es doch.

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Und der Teufel ist ein frommer Mann, der will jede neue Kirche nachmachen, aber es wird halt immer ein Wirtshaus daraus.

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Dreimal höher ist der Himmel, seit er durch das Kreuzopfer ist erkauft worden, und neunmal tiefer die Hölle, seitdem die Menschen drei Nägel geschlagen durch Christi Händ' und Füße.

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Jede Stunde sei ja ein Hinblick auf unser Sterben.

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Ich lebe gar so vereinsamt in mich hinein. Die Alten sind mir weggestorben; die Jungen hab ich erzogen, aber nicht zu meinen Genossen. Ich bin ihr Schulmeister. Den Schulmeister lassen sie in Frieden ziehen, und wenn er, alt und grau, auf seinem einschichtigen Bänklein sitzt, so werden sie meinen, ein Schulmeister müsse so sitzen.

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