Literaturbrevier

Abraham a Sancta Clara: Wunderlicher Traum von einem großen Narrennest

Weil Holofernes der Kriegs-Fürst sich rauschig / und vollgesoffen / dessentwegen hat er durch die Judith den Kopff verlohren; die mehriste Leuth aber / ob sie schon durch das Sauffen nicht umb den Kopff kommen / so verliehren sie doch wenigst das jenige / was im Kopff ist / nemblich den Verstand.

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mala conscientia pavidum facit et timidum, das üble Gewissen / sagt der H. Chrysostomus Hom. 8. ad Pop. das üble Gewissen machet / daß der Mensch zu allen Sachen zittert / und eine stätte Leitfeigen abgibt. König Balthasar [Belsazar] [...] hielte ein Mahlzeit [...] / da hat der König wahr genommen / daß drei Finger von einer unsichtbaren Hand etwas auff die Wand geschriben / worüber er dergestalten erschrocken / daß er wie ein Wachs erbleicht / ja er zitterte also an dem gantzen Leib / daß die Knie stäts zusammen geschlagen. Dan. c. 5. Die meiste Umbstehende haben dem König dise gefaste Fausen wollen nemmen / ja einige waren / die es für etwas guts ausgelegt / aber Balthasar zitterte immerfort wie ein Espes Laub / und ist wenig abgangen / daß ihn nicht gar die Lebens-Geister verlassen; was hat ihme doch disen Schrocken also eingejagt? Was? Frag ein Weil! Es hats gemacht das böse Gewissen. Ein beleidigtes Gewissen verursacht / daß so vil forchtsame Narren in der Welt gefunden werden; entgegen aber ein gerechtes Gewissen ist ein Schild / ist ein Schutz / ist ein Schantz wider alles / und förchtet solches so gar den Teuffel nicht / sambt seinem Anhang.

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