Literaturbrevier

Hans von Schweinichen: Leben und Abenteuer des Ritters Hans von Schweinichen

Samuel van Hoogstraten: View of a Corridor 1662 I. F. Gn., Herzog Heinrich, der damals regierende Landesfürst, hatten dem jungen Herrn[Bartel Logau] und seinem Lehrer ein eigenes Zimmer gegeben: das hieß die kleine Bastei. Hier mußten wir alle Tage studieren. Den Katechismus und die Litanei haben wir fleißig lernen müssen; dazu lehrte man uns den Rosenkranz beten und auch sonst tüchtig Lateinisch lesen. Alle Tage sollten wir uns vier Vokabeln einprägen, die mußten wir am Schluß der Woche hintereinander aufsagen.

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Weil aber in meinem Kopf bereits gar zu viel höfisches Wesen steckte, wovon ich zuvor genug kennen gelernt hatte, bekam ich viel mehr Lust zum Reiten als zu den Büchern. Und mein Herz dachte mehr an ein freies Leben als an fleißiges Studieren. Deshalb machte ich allerlei Anschläge, um aus Goldberg fort zu kommen. Das hatte aber alles bei meinem Vater keinen Erfolg, sondern es hieß stets, ich solle nur Lust am Studieren haben; hätte ich sie aber nicht, so würden die Herren Lehrer sie mir schon kaufen mit guten Ruten. Zuletzt aber bekam ich Fieber und wurde heimgeholt. Es war jedoch im Grunde nur halb so schlimm, wie ich tat. Wie ich aber heimkam, da hatte es mit dem Studium bald genug ein Ende: denn in Goldberg herrschte eben die rote Ruhr. So behielt mein Vater mich zu Hause, und ich kriegte es fertig, in vierzehn Tagen wieder zu vergessen, was ich in fünf Vierteljahren gelernt hatte.

 

 

 

 

 

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