Literaturbrevier

Witziges und Interessantes

Zum Schlußsatz des „Urteils“(In diesem Augenblick ging über die Brücke ein geradezu unendlicher Verkehr.) sagte Franz Kafka selbst zu seinem Freund Max Brod:

»Weißt Du, was der Schlußsatz bedeutet? — Ich habe dabei an eine starke Ejakulation gedacht.«

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Eine vollständige Postkarte von Franz Kafka an einem Freund:

»Lieber Hugo, es ist mir, als müßte ich Dich grüßen.«

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Aphorismus:
Wenn Alles gesagt ist, fehlt nur noch das Nichts.
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Heinz Erhardt über kritiklesende Theatergänger:
„Morgen können wir dann lesen, wie es uns gefallen hat“
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"Philosophen hab ich nie gelesen...ich verstehe nicht, was sie schreiben."(Samuel Beckett)
"Philosophie ist die Übersetzung vom Unbegreiflichen ins Unverständliche." (Hans Clarin)
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Zwei Zitate von Hannes Androsch:
Wenn sie den österreichischen Kapitalismus abschaffen wollen, müssen sie ihn erst einführen.
Es ist unser großes Geschick, Beethoven zu einem Österreicher gemacht zu haben und Hitler zu einem Deutschen.
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Interessant(aus dem Gedicht „Schluß“ von Frank Wedekind):
Auch fand ich, das Dichten sei keine Kunst, / man müßt es nur einmal gewohnt sein.

Noch was Interessantes, von Clemens Brentano:
Traurig werde ich oft, wenn ich einen neuen Schriftsteller auftreten sehe, denn es ist ein Beweis, daß die Menschen keine Freunde mehr haben, und jeder sich an das Publikum wenden muß.
(Clemens Brentano and Karoline von Günderrode, 2. Juni 1804)

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Was aus Liebe geschieht, geschieht jenseits von Gut und Böse! (Nietzsche)
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Fußballspielerzitate
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.
Über die Sonnenfinsternis: Da muss jemand einen Fußball in die Sonne geschossen haben.
Auf die Frage, wer Formel-1 Weltmeister wird: Schumi, wer sonst? Der andere kann doch nichts.
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Bei der WM 98 auf die Frage, was passiert wenn Südkorea gegen Holland gewinnt: So etwas gibt es im Fußball nicht.
Wenn man sich einredet, man ist mude, dann ist man mude.
Ich bin Optimist. Sogar meine Blutgruppe ist positiv.
In der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien): Hoch gwinnen wern ma nimma.
Auf die Frage nach seinem Wunschgegner fürs Champions-League-Finale: For me, it's scheißegal.
Auf die Frage, ob der er sich einen Transfer David Beckhams nach München vorstellen könne: Es nützt dir nichts, einen zu holen, der immer bei Bravo Sport auf der Seite eins steht. Wir wollen einen haben, der beim Kicker auf Seite eins steht.
Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
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„Wer Jude ist, bestimme ich!“ Hermann Göring

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Sed quis custodiet ipsos custodes? (Wer aber bewacht denn die Wächter?)

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Zitate übers Lesen:

Auch das schlechteste Buch hat eine gute Seite: die letzte. (John Osborne)
Bücher sind fur viele Leute nur Möbel aus Papier.
Wähle dir einen Schriftsteller aus wie einen guten Freund.
Arbeit als Betäubungsmittel gegen Einsamkeit, Bücher als Ersatz für Menschen. (Dag Hammarskjöld)
Bücher sind beleidigt, wenn man sie verleiht. Deshalb kehren verliehene Bücher nicht mehr zurück. (Oskar Kokoschka)
Bücher wechseln mit dem Älterwerden ihren Inhalt. (Fritz Vahle)
Für den Menschen des 20. Jahrhunderts gibt es nur 1 Todsünde: nicht genug gelesen zu haben! (Arno Schmidt)

Der Leser hat's gut:
Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
Kurt Tucholsky

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Erich Kästner über Kurt Tucholsky:
Ein kleiner dicker Berliner, der mit „der Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten“ wollte.

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Kritiker über Adalbert Stifter:

1. (aus „Der Humorist“ 1847)
„In der Phantasie eines solchen Dichters, dessen Virtuosität in Naturbeschreibungen besteht, sieht es aus wie in dem Gehirne eines Kuckucks; die ganze Welt ist nur Wald und Flur, Grashalm, Tautropfen und Johanniskäferchen.“

2. (Aus „Lloyd“ 1858)
„Man wusste nach der Lektüre kaum mehr, in dem Gewühle von Steinen und Pflanzen, wozu der sechste Schöpfungstag nötig gewesen sei.“

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Brief von Ferdinand Raimund an Antonie Wagner:

»Ich habe diese Welt bis zum Ekel durchschaut, und sie ist mir viel zu erbärmlich, als daß ich mir einen längeren Aufenthalt auf ihr wünschen sollte«

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Marcel Reich-Ranicki über Thomas Manns Arbeiten zu Friedrich Schiller in „Thomas Mann und die Seinen“:

„Er [Thomas Mann] zitiert aus dem ‚Don Carlos‘ und fragt ‚Was gibt es Schöneres, Edleres, Herzbewegenderes?‘. Er verteidigt liebevoll sogar ‚Die Glocke'‘, er bittet um Verständnis für Schillers ‚Lust am höheren Indianerspiel‘, am Abenteuerlichen und ‚psychologisch Sensationellen‘. Er rühmt Schillers Generosität, die dem Effekt seine Unschuld zurückzugeben weiß, und bekennt sich ohne Reue zu dessen ‚edler Naivität‘. Er interpretiert auf seine Weise den ‚Wallenstein‘, die ‚Jungfrau von Orleans‘, den ‚Wilhelm Tell‘, er erkennt in dem Autor des ‚Verbrechers aus verlorener Ehre‘ einen Vorläufer Kleists. Es ist über Schiller schon viel Kluges gesagt worden. Doch niemand in diesem Jahrhundert hat hochherziger und schöner über ihn geschrieben als der alte Thomas Mann.“

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Franz Kafka über Peter Altenberg:

»Peter Altenberg ist ein Genie der Nichtigkeiten, ein seltsamer Idealist, der die Schönheiten der Welt wie Zigarettenstummel in den Aschenbechern der Kaffeehäuser findet.«

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Vers von Wilhelm Busch:

Gedanken sind nicht stets parat
Man schreibt auch, wenn man keine hat.

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Victor Hugo über Don Quijote:
»Ich las das Buch als Kind und lachte, als Erwachsener dachte ich nach, und als alter Mann weinte ich.«

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»unfähig, rassenmäßig zu denken, biologisch geradezu defekt, dysgenisch und geistig tankneurotisch vertritt es heute Afrika statt Europa. Die weiße Rasse, das ist Deutschland, Jugend, vergiß es nie, ihre letzte Züchtung, ihr letzter Glanz bist du.
Gottfried Benn

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Interessantes über Nietzsches Werke:
(Alle meine Werke waren) »im Hintergrunde ... Huldigung und Dankarbeit gegen ein Stück Vergangenheit von mir, gegen die schönste, auch gefährlichste Meeresstille meiner Fahrt. . . und thatsächlich eine Loslösung, ein Abschiednehmen.«
(Menschliches, Allzumenschliches II, Vorrede 1)

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Friedrich Hebbels Kommentar zu Schillers „Taucher“:
»Wer wird denn die Perle ins Meer werfen, weil es Taucher gibt, die sie wieder herausfischen können!«

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Aus einem Brief von Theodor Fontane:
»Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um.«

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Friedrich der Große schrieb an den ersten Herausgeber der Nibelungen und des Tristan, Prof. Müller in Berlin:

»Hochgelahrter, Lieber, Getreuer!
Ihr urteilt viel zu vorteilhaft von denen Gedichten aus dem 12., 13. und 14. Seculo, deren Druck Ihr befördert habet und zur Bereicherung der deutschen Sprache so brauchbar haltet. Meiner Einsicht nach sind solche nicht einen Schuss Pulver wert und verdienen nicht, aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden. In meiner Büchersammlung wenigstens würde ich dergleichen elendes Zeug nicht dulden, sondern herausschmeißen. Das mir davon eingesandte Exemplar mag dahero sein Schicksal in der dortigen großen Bibliothek abwarten. Viele Nachfragen verspricht aber demselben nicht Euer sonst gnädiger König
Friedrich.
Potsdam 22 Febr: 1784.«

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„Der Haß ist die Liebe, die gescheitert ist.“ (Kierkegaard)

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Briefwechsel von Knebel und seiner Schwester:

»Am Mittwoch hat uns Goethe seine Reflexionen über die Nibelungen mitgeteilt. Er glaubt, daß in den damaligen Zeiten das eigentliche Heidentum gewesen wäre, ob sie gleich kirchliche Gebräuche hatten, denn Homer hätte mit den Göttern in Verbindung gestanden, aber in diesen Leuten finde sich keine Spur von irgend einem himmlischen Reflex.«

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Kritik an Goethes „Faust“ von Karl August Böttiger:

„Einige Verse hätte der Dichter doch wohl verbessern sollen, zum Beispiel:

       Wo faß ich dich, unendliche Natur?
       Euch Brüste, wo? Ihr Quellen allen Lebens,
       An denen Himmel und Erde hängt,
       Dahin die welke Brust sich drängt,
       Ihr quellt, ihr tränkt, und ich schmacht so vergebens?"

Wie ekelhaft, dass Faust die Natur bei ihren Brüsten fassen will! Diese Brüste verwandeln sich in Quellen und an diesen hängt Himmel und Erde, Fausts welke Brust drängt sich an diese Brüste der Natur, als Quellen allen Lebens, sie quellen, sie tränken, aber dem armen Faust kommen sie nicht zugute. Da ein Dichter, wie Goethe, solche Verse in die Ausgabe seiner Werke von letzter Hand aufnimmt, darf man sich wohl wundern, wenn die Franzosen den Deutschen den Ungeschmack zum Vorwurf machen?“

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Folgender Ausspruch stammt von Herder nach der Veröffentlichung von Goethes „Römischen Elegien“ in Schillers Zeitschrift „Die Horen“:

Die Horen müßten nun mit dem u gedruckt werden.

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Interessantes über Klassiker(aus dem Vorwort einer Briefsammlung):

„Viele Autoren dieses Bandes sind so gut wie vergessen: der Moralist und Fabeldichter Gellert, die Anakreontiker Gleim, Uz und Ramler, die Karschin, um Klopstock steht es nicht viel besser, Wieland ist durch die Literaturwissenschaft des 19. Jahrhunderts verlästert und noch nicht hinlänglich rehabilitiert, Schubart den meisten nur als Randfigur zu Schillers Biographie bekannt. Einzig Lessing, Claudius und Herder sind für die Gegenwart bekannte Größen. Zählte man ihnen noch einige wissenschaftliche Schriftsteller und Philosophen hinzu, so käme man übrigens bestenfalls auf zwanzig nachwirkende Namen von etwa zweieinhalbtausend, die um 1760 in deutscher Sprache schrieben.“

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„Weil mein Zimmer bloß so ein Zimmerchen war, bohrte ich ein Loch in die Wand, damit gewissermaßen etwas wie eine Erweiterung des Horizonts zustande käme. Im Nebenzimmer wohnten nämlich Mädchen.“
Robert Walser

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Brief einer Fünfzehnjährigen an (den bereits verstorbenen Dichter) Rilke:

Sehr geehrter Herr Rilke, ich habe mich leider sehr über Sie ärgern müssen! Sie sind schuld daran, daß ich einen Vierer geschrieben habe. Frau Dr. Schiedling, unsere Deutschlehrerin, hat uns am Donnerstag ein photokopiertes Gedicht von Ihnen hingeschmissen, und wir mußten eine Schulaufgabe darüber schreiben. Ich schicke Ihnen meinen Aufsatz, damit Sie selber sehen, was mir zu diesem Gedicht eingefallen ist. Viel ist es nicht. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was Sie sich dabei gedacht haben!
Die Schiedling ist natürlich gleich über mich hergefallen. „Thema verfehlt!“ hat sie gesagt, und alles hat sie mit ihrem Rotstift vollgekritzelt.
Seitdem will ich mit Gedichten übehaupt nichts mehr zu tun haben! Gedichte hängen mir zum Hals heraus! Entschuldigen Sie!
Vielleicht können Sie gar nichts dafür, vielleicht ist ja nur die Schiedling daran Schuld.
Hilfe!
(Anna Jonas, Kastanienallee 12, Oberkappel)

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Thomas Mann an seinen Verleger Samuel Fischer(S. Fischer) 1901:
»Einen Appetit hat Eloessers Aufsatz in mir rege gemacht: den nach Felix Holländers ›Thomas Truck‹, und wenn Sie, lieber Herr Fischer, mir eine ganz besondere Weihnachtsfreude bereiten wollten, so würden Sie diesen Roman mit ›Frau Bürgelin‹ und etwa noch Hermann Bangs ›Leben und Tod‹ zu einer reinlichen Postpacket-Bescheerung vereinen. Für Jemanden, der sowohl an Fontane als auch an Fritz Reuter erinnert, können Sie das schon tun!«

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Jean Pauls Regel für die Interpunktion: Wenn der Sinn halb aus ist, machst du ein Komma, wenn der Sinn ganz aus ist, machst du ein punktum, und wenn du etwas geschrieben hast, worin gar kein Sinn ist, kannst du Komma und punktum setzen, wo du willst.

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Schopenhauer: [...] wobei ich denn die Uebrigen bitte, Dies als eine Privatsache [...] zu betrachten, die hier zufällig öffentlich vorgeht.

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»Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis« Kant.

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Eine Anekdote vom barocken Dichter Simon Dach:

Ein Schmied hatte lange Zeit um eine Magd gebuhlt. Als sie endlich ihm zu Willen war, beschied sie ihn in einen Stall, wo sie ungestört zusammenkommen konnten. Als sie nun beide bereit waren, ihre leichtfertigen Absichten zu vollenden, bedachte sich der Schmied geschwind und sagte: »Steh auf, mein Schatz, laß uns anderswo hingehen, denn ich befürchte, wir möchten in diesem Stall junge Füllen zustande bringen, deren man uns später peinlich anklagen würde.«

Hierauf gingen sie aus dem Stall in die Scheune. Als nun der Schmied im Werk begriffen, fragte die Magd: »Wenn es nun ein Kind gibt, wer soll es ernähren?«

Der Schmied sagte: »Der über uns ist!«

Oben auf der Scheuer aber lag, ohne daß sie es wußten, auf dem Heu der Knecht, der alles mit angehört hatte und der nun dachte, der Schmied meine ihn. Er rief deshalb von oben herunter: »Warum soll ich euer Hurenkind ernähren?«

Darüber erschraken sie und liefen auseinander.

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„kritiker sind wie eunuchen: sie wissen genau wies geht, könnens aber nicht.“ Mozart

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Doderer schreibt einen neuen Roman. Sein Inhalt: Herr K. geht über die Ringstraße. Die erste 1000 Seiten sind schon fertig.

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